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Genießen - den Augenblick anhalten wollen

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„Schönes Wochenende!“ „Wünsche ich dir auch. Genieß es!“ Ich halte inne. Genieß es? Das ist grammatikalisch gesehen der Imperativ, also die Befehlsform eines Verbs. Kann ich denn einer anderen Person das Genießen befehlen? Wenn die Reaktion lautet „Werde ich vermutlich nicht, aber mal schauen“, wird dir wohl nicht gehorcht werden. Was eigentlich viel mehr hinter dem „Befehl“ steht, ist der Wunsch, dass du etwas Schönes erlebst, damit es dir gut geht. Machen wir das zu selten, sodass wir uns gegenseitig daran erinnern müssen? Ab wann genieße ich? Was hindert mich? Warum ist genießen wichtig? Und fällt ein Genussmoment vom Himmel oder ist das planbar?

Früher musste man sich Genießen leisten können

Der Wunsch nach dem Anhalten eines Augenblicks war wohl schon immer vorhanden. Doch früher war das nicht für alle möglich. Allein die kleine Oberschicht hatte das Vorrecht des Genießens: sie hatte die Zeit und das Geld dafür und konnte sich Exklusives gönnen. Die Bauernschicht verstand auch zu genießen, wie zum Beispiel bei Hochzeiten. Ihr Genuss war vielleicht einfacher, aber dennoch ausgiebig.
Heute kann jeder Kultur und Kulinarisches genießen. Das Verständnis vom Genuss hat sich verändert und es ist nicht mehr nur Privilegierte vorbehalten. Dennoch steckt oft der Gedanke in uns: „Genießen kann ich mir gerade nicht leisten.“ Es ist eher so, dass wir es uns selbst nicht erlauben. Das traditionelle Verständnis „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ prägt uns. Und Arbeit gibt es genug. Immer und überall. Wir sollten lernen, dass Genuss nicht nur etwas fürs Wochenende ist und wir unserer Gesundheit etwas Gutes tun, wenn wir auch kleine Genussmomente im Alltag schaffen.

Was ist Genuss?

Für den einen ist Käse mit Marmelade auf dem Butterbrot der pure Genuss, ein anderer empfindet das als ekelig. Jeder hat seine eigene Vorstellung von Genuss. Allgemein gilt: Genuss ist erstens die Aufnahme von Ess-, Rauch- oder Trinkbarem und zweitens die Wahrnehmung von Dingen, die als schön empfunden werden.

In der Psychologie wird beim Genießen von „euthymen Erleben“ gesprochen. Das bedeutet, dass Genießen das ist, was der Seele gut tut. Ich wähle bewusst aus, was ich mag, nehme mir Zeit dafür und schenke meiner Wahl mit all meinen Sinnen volle Aufmerksamkeit. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und genauso individuell ist das Genuss-Erleben. Allein oder in Gesellschaft, Ruhe oder Aktivität, besonders oder unspektakulär – Genießen ist facettenreich und bezieht sich auf ein schönes Objekt oder auf einen Vorgang.

Die zentrale Bedingung für Genießen ist, dass ein gutes Leben gewollt ist. Hier ist der Aspekt der Selbstfürsorge enthalten, das „für sich selbst sorgen“. Beim Genießen entsteht ein gutes Gefühl. Erinnerungen an etwas Schönes kommen hoch und fast automatisch wirkt sich das positiv auf die Stimmung aus. Das nennt sich Freude.

Nach wie viel Arbeit darf ich genießen? - Hindernisse beim Genießen

„Ich habe noch so viel zu tun, ich weiß gar nicht, wie ich noch Zeit zum Entspannen einplanen soll. Wenn ich dann endlich meinen „Entspannungstermin“ nach drei Mal verschieben umsetze, kann ich das auch nicht richtig genießen, weil ich daran denke, was in der Zeit alles liegen bleibt. Vor lauter Arbeit finde ich nie Zeit für eine Hand voll Ruhe.“

Wir haben unsere Schwierigkeiten mit dem Genießen, was folgende fünf Punkte verdeutlichen.

1. Der Zeitfaktor

Da ist zunächst die begrenzte Zeit. Stress und Hektik dominieren den Tag und selbst die Pausen sind kein Abschalten, sondern werden für andere Aufgaben genutzt.

2. Die eigenen Verbote und das schlechte Gewissen

In manchen Köpfen steckt der Gedanke: „Genuss ist das, was Spaß macht, aber nicht gesund ist.“ Das hängt auch mit dem Wort „Genussmittel“ zusammen, worunter Kaffee, Tee, Mate, Cola, alkoholische Getränke und Tabak fallen. Also bitte mit Vorsicht genießen und nur in Maßen. Wenn solche Gebote und Verbote fest verankert sind und dazu Leistungsdruck und Zeitmangel kommen, entsteht schnell ein schlechtes Gewissen.

3. Zu hohe Ansprüche

Ein zu hoher Anspruch an den Genuss kann ebenfalls zu einem Hindernis werden. Wenn genießen, dann perfekt. „Von der Schokolade wollen heute manche gesünder oder schlauer werden und andere mit ihrem Konsum zugleich die Alphabetisierung der Kakaobauernkinder vorantreiben. Und die Freude an der körperlichen Bewegung soll gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheit erhöhen und auch noch die persönliche Attraktivität steigern, sowie die Reise in die Sonne nicht nur Badefreuden, sondern gleich noch Bildung bieten soll.“, schreibt Thomas Platt in der Einleitung der deutschen Genuss-Studie.

4. Das nebenbei Genießen und die Ablenkung

2011 gaben in einer Studie 43 Prozent der Befragten an, eher nebenbei zu genießen. Das war sowohl bei den Berufstätigen, als auch bei den Nicht-Berufstätigen so. Der Kommentar von Dr. Rainer Lutz, Psychologe und Genussforscher lautet: „Wer etwas nebenbei "genießt", verwechselt Genuss mit Konsum“.

5. Emotionen

Genuss und Ärger vertragen sich nicht. Wer sich über Dinge ärgert, wird es schwer haben, sich auf das Genießen einlassen zu können. Ärger kann mich motivieren Dinge zu ändern, um nach der Änderung genießen zu können. Gleichzeitig funktioniert es nicht.

Es gibt gute Gründe, warum wir versuchen sollten, diese Hindernisse auszuräumen und unsere Aufmerksamkeit zwischendurch auf schöne Gegebenheiten zu richten. Genießen kann man lernen.

5 Gründe, warum Genießen wichtig ist

Für ein gutes Leben ist Genuss eine Voraussetzung. Kurz gesagt: „Wer sich Genuss erlaubt, lebt gesünder.“ Das betont Dr. Rainer Lutz, Psychologe und Genussforscher an der Philipps-Universität Marburg. Das impliziert sowohl die körperliche als auch die seelische Gesundheit. Wer durch das Genießen für sich selbst sorgt, übernimmt Verantwortung für sein Wohlergehen.

  1. Genießen wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Freude, Optimismus und Zufriedenheit sind Ergebnisse von schönen Erlebnissen.
  2. Genießen hilft, den Negativen positive Gefühle gegenüber zu stellen. Daraus ergibt sich eine seelische Balance, eine Ausgeglichenheit. Das ist Schutz vor Stress im Alltag.
  3. Wer genießt, ist belastbarer und optimiert seine Leistungsfähigkeit.
  4. Und damit erhöht sich auch die Motivation.
  5. Es steigert die Selbstakzeptanz.

Wer sich mit schönen Erlebnissen füllt, lebt gesünder ohne sich dazu zwingen zu müssen.

Was passiert, wenn Genuss im Leben fehlt?

„Wer nicht genießt, wird ungenießbar.“ Ob das nun tatsächlich Friedrich Schiller gesagt hat oder Konstantin Wecker, es steckt Wahrheit in der Aussage. Wer solche Personen erlebt (hat), die nichts genießen können und immer ernst bleiben, sind im Umgang unangenehm und beeinflussen das eigene Wohlfühlen in seiner Haut. Wobei ungenießbar nicht meint, dass sie schlecht, giftig und bewusst böse sind. Sie haben nur das Genießen verlernt und müssten ihre Genussfähigkeit trainieren.

Wie entsteht Genuss?

Genuss entsteht durch bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf positive Objekte oder Vorgänge. Das beinhaltet eine Unterbrechung von Alltagshandlungen und ein Innehalten. Diese Unterbrechung kann geplant sein, wie z.B. bei Pausen oder auch durch körperliche Erschöpfung „erzwungen“ werden. In drei Phasen verläuft das Genießen:

  1. Zuwendung auf ein Objekt oder einen Vorgang, was im Augenblick gut tut. Dadurch werden automatisch negative Gedanken und Empfindungen ausgeschlossen.
  2. Das Versinken im Moment und das bewusste Wahrnehmen mit einem oder mehrere Sinne. Bilder und schöne Erinnerungen treten vor dem inneren Auge auf. Die Zeit bleibt stehen.
  3. Genuss entsteht und wird durch lächeln und entspannen deutlich (auch in der Körpersprache).
Die 7 Genussregeln

Genießen ist keine Begabung, die manche haben und andere nicht. Es kann bewusst erlernt werden. Das Entstehen von Genuss kann durch eine bewusste Lenkung geschehen. Dabei sollten die sieben Genussregel als Grundhaltung beachtet werden.

1. Genuss braucht Zeit

Hektik ist der Feind vom Genuss. Um den Genuss mit den verschiedenen Sinnen wahrzunehmen und die daraus entstehenden Emotionen zu entwickeln, wird Zeit benötigt, denn es ist ein Prozess. Das heißt nicht, dass es lange dauert. „Es geht um Augenblicke, die als angenehm und genussvoll erkannt und als solche festgehalten und genutzt werden.“

2. Genuss muss erlaubt sein

Negative und hemmende Vorbehalte müssen aufgegeben werden. Genussverbote wie „das ist sinnlos, ohne Fleiß kein Preis, Übermut tut selten gut, an frisch gemähtem Gras zu riechen ist albern, dem Flug der Zugvogel mit den Augen zu folgen ist Zeitverschwendung“ sollten bewusst registriert, geprüft und korrigiert werden.

3. Genuss geht nicht nebenbei

 Der kleine und große Moment muss fokussiert wahrgenommen werden. Andere Dinge oder Multi-Tasking haben beim Genießen keinen Platz. Störende und ablenkende Faktoren sollten ausgeschaltet werden.

4. Jedem das Seine

Genusserlebnisse sind individuell. Jeder muss für sich selbst entdecken, was der Seele gut tut. Was der eine schön findet, kann der nächste furchtbar finden. Auch wenn das geäußert wird (Was? So was soll schmecken? Das findest du gut?), muss jeder dazu stehen können.

5. Weniger ist mehr

Erst durch Einschränkungen bleibt das Besondere besonders. Auch Genussmomente können gewöhnlich werden, wenn sie zu viel, zu oft und zu lang ausgereizt werden.

6. Ohne Erfahrung kein Genuss

Das Verknüpfen von Vorerfahrungen und die aktuelle Wahrnehmung intensiviert den Genussmoment. Das letzte positive Erlebnis wird mit dem neuen Eindruck verstärkt. Erfahrung bedeutet aber auch durch Ausprobieren neue Erlebnisse schaffen, die beim nächsten Erinnern abgerufen werden können.

7. Genuss ist alltäglich

Genuss ist nicht nur für Weihnachten und Ostern oder für außergewöhnliche Anlässe bestimmt. Er hat seinen Platz im Alltag. „Es gilt, die Außerordentlichkeit des Alltags zu erkennen, Angenehmes und Schönes in der Umgebung zu entdecken.“

Das Planen von Genussmomenten

Natürlich kann ein Genussmoment vom Himmel fallen, zum Beispiel wenn die dunkle Wolkendecke aufbricht, die Sonne hervorkommt und ein Regenbogen ein so kräftiges Farbspektrum entfaltet, dass es nicht zu übersehen ist.

Genuss kann aber auch geplant werden. Nach Platt ist Genießen eine Frage der Einstellung, die man sich aneignen kann. Dabei ist das Wichtigste, die Sinne auf das Objekt/den Vorgang zu richten und sich das Genießen zu erlauben.

Mit dieser Einstellung werden spontane und geplante Genussmomente ein Erlebnis. Da ist das Fahrradfahren keine Transportfrage, sondern das Genießen des Windes im Haar, das Spüren der Sonne auf der Haut. Das Besuchen einer Stadt ist nicht nur noch eine Bildungsfrage, sondern das Bewundern der Architektur. Das Frühstücken ist keine lästige Pflicht mehr, sondern es wird in Ruhe in schöner Atmosphäre genossen. Das Essverhalten wird langsamer und genussvoller.

Den Blick für Genuss-Gelegenheiten schärfen

Viele Gelegenheiten im Alltag bieten „Genussmomente am Wegrand“. Die Bedingung fürs Genießen ist nur Aufmerksamkeit, nicht die unlimitierte Kreditkarte. Genuss ist etwas Wichtiges, etwas Gesundheitsförderndes und für jeden Menschen erfahrbar.

Wenn dir das nächste Mal jemand ein schönes Wochenende wünscht, kannst du das „Genieß es!“ umformulieren in „Ich wünsche dir einen Blick für Gelegenheiten zum Genießen!“ Befehlen kannst du es nicht, denn für Genießen muss sich jeder selbst entscheiden.

 

 

 

 

Quellen:

Jeder sollte sich erlauben zu genießen - https://www.presseportal.de/pm/35730/2080547#

Genuss zwischen Mode und Tradition - http://speising.net/upload/Genuss.pdf

https://www.wortbedeutung.info/Genuss/

Grauel, Jonas (2013). Gesundheit, Genuss und gutes Gewissen: Über Lebensmittelkonsum und Alltagsmoral. Transcript Verlag, Bielefeld.

Linden, Michael; Weig, W (Hrsg.) (2009). Salutotherapie in Prävention und Rehabilitation – Was ist Genuss?. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln.

Endres, Eva-Maria (2012). Genussrevolte – Von der Diät zu einer neuen Esskultur. Springer Fachmedien Wiesbaden.

Frauenschuh, Christina Mag. (2011). natürlich mit GENUSS: Mit Genuss zu mehr Gesundheit im Leben. Books on Demand GmbH, Norderstedt.

Platt, Thomas (2004). Genussbarometer Deutschland: wie wir zu leben verstehen. Links Verlag, Berlin.

Genussfähigkeit- Die kleine Schule des Genießens: https://www.bdsi.de/fileadmin/redaktion/Nachrichten_aus_der_Wissenschaft/WDP_01_2017.pdf