versandkostenfrei ab 22 Euro Bestellwert
Aktualisierung...
CartWarenkorb
Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam orem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diamsadipscing elitr, sed diam orem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam

Die Nährwerttabelle verstehen

Image

Die Verpackung eines Lebensmittels hält viele Informationen bereit. Je mehr an Text, Symbolen, Zahlen und Bildern abgedruckt sind, desto mehr kann der Verbraucher über das Produkt wissen und daran seine Entscheidung treffen oder er verliert vor lauter Auskunft die Orientierung.

Es ist nicht lange her, dass ein neues Gesetz zu Vorgaben auf Lebensmittelverpackungen in Kraft trat. Das Ziel dabei ist es, die Verbraucher „möglichst umfassend und ehrlich zu informieren“, um ihre Gesundheit zu schützen und ihnen eine fundierte Wahl zu ermöglichen. Eine der Pflichtangaben ist die Nährwerttabelle. Auch sie soll zur Sicherheit beim Einkaufen beitragen. Was sagt sie aus? Was sind verpflichtende und was freiwillige Angaben? Wie kann sie mir beim Einkauf helfen? Woher kommen die Zahlen? Kann ein Hersteller die Zahlen schönen?

Worüber die Verpackung informieren muss

Schutz vor Gesundheitsgefahren, Schutz vor Täuschung und sachgerechte Informationen – das sind die drei Säulen des Lebensmittelrechts. Nur unbedenkliche Lebensmittel dürfen verkauft werden und sie müssen deklariert werden. Alle Angaben müssen leicht lesbar, verständlich und richtig sein.

Diese Vorschriften finden sich in der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), die das Europäische Parlament am 6. Juli 2011 verabschiedete. Sie vereinheitlichte die Kennzeichnung EU-weit. Seit Dezember 2016 gilt sie verpflichtend und die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, die fast 30 Jahre lang die Vorschriften vorgab, trat außer Kraft. In der Zeit kam es vor, dass auf Süßigkeiten die Angabe zum Zuckergehalt oder sogar die gesamten Nährwertangaben fehlten. Ein kalorienreiches Produkt wurde ohne Kennzeichnung angeboten, die fettreduzierte Variante dagegen schon.

Seit Ende 2016 ist das anders. Denn zu den Pflichtkennzeichnungen auf einem Lebensmittel gehören laut EU-Verordnung 1169/2011:

  • Bezeichnung des Lebensmittels
  • Zutatenverzeichnis, inklusive Hervorhebung allergener Zutaten und einer Mengenangabe von Zutaten, falls sie werblich auf dem Etikett hervorgehoben oder anderweitig mit dem Lebensmittel in Verbindung gebracht werden
  • Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum
  • Nährwerttabelle
  • Nettofüllmenge
  • Name oder Firma und Anschrift des Herstellers, Verpackers oder eines in der EU niedergelassenen Herstellers/Verpackers/Importeurs
  • Los-/Chargen-Nummer, falls das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mit Tag und Monat angegeben wurde
  • Endpreis und Grundpreis je Mengeneinheit müssen vom Handel ausgezeichnet werden

Die Angaben gelten für verpackte Lebensmittel, also Produkte, „die in Abwesenheit des Käufers so verpackt wurden, dass ihr Inhalt nicht verändert werden kann, ohne dass dies an der Verpackung erkennbar wäre“.

Die Pflicht betrifft auch den Online-Handel und Katalog-Bestellungen (sogenannter Fernabsatzhandel), damit sich der Verbraucher umfassend informieren kann, bevor das Paket zuhause geliefert wird. Alle Angaben auf dem Etikett außer das Mindesthaltbarkeits- beziehungsweise das Verbrauchsdatum muss er aus der Ferne einsehen können.

Die verpflichtenden Nährwerte - die Big 7

Die Nährwertkennzeichnung in tabellarischer Form ist auf verpackten Lebensmitteln vorgeschrieben. Bei Platzmangel dürfen die Angaben auch hintereinander aufgeführt werden. Vorgeschrieben sind sieben Nährwerte, die sogenannten „Big 7“, in einer festgelegten Reihenfolge: Neben dem Brennwert sind das die Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz. Die Zahlen beziehen sich auf je 100g beziehungsweise 100ml des Produktes, sodass auch verschiedene Lebensmittel miteinander verglichen werden können.

Die Zahlen der Nährstoffe umfassen zudem immer den Gesamtgehalt im Lebensmittel. Sie geben keinen Aufschluss darüber, ob ein Nährstoff natürlicherweise in den Zutaten enthalten ist oder angereichert wurde. Zucker in der Nährwerttabelle umfasst beispielsweise alle im Lebensmittel vorhandene Einfach- und Zweifachzucker, unabhängig ob weitere Zucker in Form von Industriezucker oder süßende Lebensmittel zugesetzt wurde.

Vorgeschrieben ist auch die Schriftgröße. Die Nährwertangaben müssen mindestens 1,2 mm groß sein. Eine kleinere Schriftgröße von 0,9 mm ist nur erlaubt, wenn die größte Oberfläche der Verpackung weniger als 80cm2 beträgt. Das kann für ältere Menschen immer noch klein sein, aber so wird vermieden, dass die Zahlen für alle unerkennbar winzig werden.

Freiwillige Nährstoffangaben

Neben den Big 7 existieren viele weitere Inhaltsstoffe in Lebensmitteln. Der Bundeslebensmittelschlüssel (eine Datenbank für den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln, die unter anderem für wissenschaftliche Studien genutzt wird) führt 138 Nährstoffe pro Lebensmittel auf. Das sind neben Mineralstoffe und Vitamine beispielsweise die genaue Kohlenhydratzusammensetzung, die Aminosäuren oder die Ballaststoffzusammensetzung.

Mit einer Aufführung des gesamten Fettsäurespektrums in der Nährwerttabelle (von Butansäure bis Cholesterin sind es 45 Angaben) wäre der Verbraucher zwar „möglichst umfassend und ehrlich informiert“, es wäre aber nicht zielführend für eine schnelle Wahl beim Einkauf.

Deswegen gibt es auch für freiwillige Angaben Regeln. „Erfahrungsgemäß wird die Klarheit der verpflichtenden Informationen über Lebensmittel in vielen Fällen durch freiwillig hinzugefügte Informationen beeinträchtigt. Aus diesem Grund sollten Kriterien festgelegt werden, mit deren Hilfe die Lebensmittelunternehmer und Aufsichtsbehörden für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen verpflichtenden und freiwilligen Informationen sorgen können.“, heißt es in der Verordnung.

Zusätzliche Angaben neben den Big 7 können sein:

  • Ballaststoffe
  • Stärke
  • einfach ungesättigte Fettsäuren,
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren,
  • mehrwertige Alkohole (Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit),
  • sowie in signifikanten Mengen enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe.

Wirbt der Hersteller mit einem bestimmten Nährstoff, muss er den dazugehörigen Gehalt in der Nährwerttabelle angeben. Eine Aussage wie zum Beispiel „reich an Vitamin C“ ist nicht zulässig, wenn keine Zahlen dazu existieren.

Angaben zu Vitaminen und Mineralstoffen

Vitamine und Mineralstoffe können in der Nährwerttabelle erwähnt werden, wenn die Menge mindestens 15% der empfohlenen Tagesdosis in 100g oder 100ml des Lebensmittels oder 7,5% bei 100ml bei Getränken entspricht.

Die Referenzwerte (nurient reference values, NRV) sind in der Lebensmittelinformationsverordnung angegeben und basieren auf den allgemein anerkannten Empfehlungen der Fachgesellschaften. Auf Grundlage dieser Daten muss aufgelistet werden, wie viel Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs mit dem Verzehr von 100g bzw. ml abgedeckt werden. Entspricht die gesamte Menge des Produktes eine einzige Portion, können sich die Angaben auch auf die Portionsgröße beziehen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Bonbons können als gute Vitamin-Quelle dargestellt werden, wenn die Referenzwerte auf 100g bezogen werden. Ein Bonbon wiegt jedoch nur ca. 6g. Um die Menge an Vitaminen entsprechend der Nährwerttabelle durch Bonbons aufzunehmen, müssten fast 17 Bonbons gegessen werden. Mit 17 Bonbons würden aber auch 70g Zucker aufgenommen werden. (Die maximale Verzehrsempfehlung für zugesetzten Zucker liegt bei 25g für Kinder, bei 50g für Erwachsene.)

Die Nährwerte pro Portion

Freiwillig können die Werte der Hauptnährstoffe pro Portion/Verzehrseinheit angegeben werden. Die Angabe pro Portion soll Verbrauchern beim Einschätzen helfen, wie die Nährwerte im Verhältnis zur Verzehrsmenge sind. Bei Käse oder Wurst sind die Angaben pro Scheibe praxisnäher als Angaben pro 100g.

Bei einigen Lebensmitteln gibt es jedoch keine genaue Portion, wie zum Beispiel bei Müsli. Hier bestimmt der Hersteller die Portionsgröße. Er muss die Größe der zugrunde gelegten Portion/Verzehreinheit aufführen, zum Beispiel 1 Portion = 35g. Verschiedene Lebensmittelunternehmen legen eine andere Größe fest und so kommen unterschiedliche Portionsangaben bei ähnlichen Produkten zustande, die das Vergleichen für Verbraucher erschweren und verwirren.

Die Zahlen pro Portion können absolut in Kilokalorien und in Gramm aufgeführt werden und/oder als Prozentsatz der Referenzmengen (Guideline Daily Amount (GDA)). Der Satz „Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen (8400kJ/2000kcal)“ muss dann in Nähe der Nährwerttabelle ergänzt werden. Ebenso der Hinweis, auf was sich die Prozentzahlen beziehen – auf die Portionsgröße/Verzehrseinheit oder auf 100g bzw. ml. Die freiwilligen Nährstoffe können dabei nicht mit angegeben werden.

Aus der Praxis: Die Verbraucherzentrale zeigte bei einem Marktcheck, wie unterschiedlich die Verzehrsmenge definiert wird. „So variierte sie beispielsweise bei Cerealien je nach Hersteller von 30 bis 100 Gramm.“ Besonders uneinheitlich war es bei der Produktgruppe „Kekse“. Die kleinste Portion war ein 5g-Keks, die größte Portion 44g. Andere gaben als Verzehrsmenge 10 Kekse an. Die Verbraucherzentrale weist zudem darauf hin: „Kleine Portionsmengen auf Lebensmittelverpackungen können dazu führen, dass hohe Energie-, Salz- oder Zuckergehalte „gesundgerechnet“ werden, da die Verzehrmengen nicht dem tatsächlichen Ernährungsverhalten entsprechen.“

Nährwertangaben für Kinder

Manche Lebensmittel richten sich durch ihre Gestaltung explizit an Kinder. Die Referenzmenge bezieht sich trotzdem auf Erwachsene. Damit liegen die Bezugsgrößen zum Teil deutlich höher als für Grundschulkinder, was die Produkte für Kinder gesünder erscheinen lässt. Eine Portion Müsli mit 40g enthält beispielsweise in der Nährwerttabelle den Hinweis „11% Zucker der Tageszufuhr pro Portion". Kleine Kinder würden mit einer solchen Portion Müsli aber schon ein Drittel der Tagesdosis aufnehmen.

Aus lebensmittelrechtlicher Sicht sind die Angaben bezogen auf Erwachsene korrekt.

Die Referenzaufnahmemengen für Kinder können nicht zusätzlich auf freiwilliger Basis angegeben werden. Die Kommission schreibt: „Die freiwillige Angabe von Referenzaufnahmemengen für bestimmte Bevölkerungsgruppen ist nur dann erlaubt, wenn entsprechende Unionsvorschriften oder, wo solche nicht existieren, einzelstaatliche Vorschriften bestehen.“ Sonst darf es nur für Erwachsene ausgedrückt werden. „In der Verordnung wird die Kommission allerdings dazu aufgefordert, Durchführungsrechtsakte zur Angabe von Referenzaufnahmemengen für bestimmte Bevölkerungsgruppen zusätzlich zu den festgelegten Referenzaufnahmemengen für Erwachsene zu erlassen, sodass es in Zukunft Referenzaufnahmemengen für Kinder geben könnte.“ Bis dahin unterliegt es den einzelnen Staaten eine freiwillige Angabe zu ermöglichen, wenn wissenschaftlich fundierter Referenzaufnahmemengen für solche Gruppen vorhanden und festgelegt sind. In Deutschland gibt es keine entsprechende Vorschrift.

„Die derzeitigen rechtlichen Regelungen mit Bezug auf die Referenzmenge für Erwachsene sind für Produkte, die sich in der Aufmachung vor allem auch an Kinder bis sieben Jahre wenden, unzureichend und missverständlich. Die vereinzelten freiwilligen Lösungen sind ebenfalls wenig hilfreich. Der Hinweis, die Portionsgrößen für Kinder anzupassen, ist nichtssagend, wenn Eltern den Energiebedarf des Kindes nicht kennen. Hier ist die EU-Kommission gefragt, Regeln für diese sensible Verbrauchergruppe zu schaffen.“, fordert die Verbraucherzentrale.

Gibt es Lebensmittel ohne Nährwerttabelle?

Es gibt Lebensmittel, die von der Nährwertkennzeichnung-Pflicht ausgenommen sind. Dazu gehören beispielsweise

  • Lebensmittel, die auf dem Wochenmarkt oder an der Theke verkauft werden wie Wurst, Käse oder Brot
  • Lebensmittel, die in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung angeboten werden
  • Unverarbeitete Lebensmittel, die nur aus einer Zutat bestehen, wie zum Beispiel Kartoffeln oder Reis und auch lose Ware wie Obst und Gemüse
  • Kräuter, Gewürze, Salz und Tafelsüßen
  • Kaffee und Tee
  • Gelatine und Gelierhilfen für Konfitüre
  • Hefe
  • Kaugummi
  • Lebensmittel, deren Verpackung kleiner ist als 25cm2
  • Alkoholische Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol

Für Nahrungsergänzungsmittel und Mineralwasser gelten gesonderte Regeln, welche Nährwerte gekennzeichnet werden müssen. Auch bei Lebensmittel, die für eine besondere beziehungsweise diätetische Ernährung bestimmt sind, bestehen eigene Deklarationsvorgaben.

Warum gibt es keine Nährwerttabelle auf alkoholischen Getränken?

Alkoholische Getränke mit mehr als 1,2‰ Alkohol müssen keine Nährwerttabelle tragen. Die Frage der Deklaration alkoholischer Getränke wird seit 1982 immer wieder auf EU-Ebene thematisiert. Zuletzt galten für alkoholische Getränke, einschließlich alkoholischer Mischgetränke ein Zutatenverzeichnis und Nährwertdeklaration als verpflichtend. Ausgenommen blieben Bier, Wein und Spirituosen.

In der letzten Stellungnahme des europäischen Parlaments und des Rates „über die verpflichtende Kennzeichnung alkoholischer Getränke mit dem Zutatenverzeichnis und der Nährwertdeklaration“ im Jahr 2017 heißt es: „Auf Veranlassung des Europäischen Parlaments wurde diese Ausnahmeregelung auf alle alkoholischen Getränke ausgeweitet.“ Die Hersteller sind dazu aufgefordert, die Informationen auf freiwilliger Basis anzugeben. „Die betroffenen Wirtschaftszweige lehnten in der Vergangenheit ein verpflichtendes Kennzeichnungssystem ab. Heute erkennt der Sektor an, dass die Verbraucher das Recht haben, zu wissen, was sie trinken.“

Dieser Freiwilligkeit kommen die Hersteller unterschiedlich nach. Die Spirituosenverbände in der EU beispielsweise haben eine gemeinsame Website entwickelt, über die sich die Verbraucher über Nährwerte und Zutaten informieren können. Zu Jahresanfang 2019 haben Brauereien sich zu einer Selbstverpflichtung entschieden, die Biere und Biermischgetränken betrifft, aber nicht alle Produkte der Bierbranche einschließt.

Im Bericht der EU-Kommission steht in den Schlussfolgerungen: „Sollte die Kommission den Selbstregulierungsansatz der Branche für unbefriedigend halten, wird sie anschließend eine Folgenabschätzung vornehmen, um weitere verfügbare Optionen zu prüfen.“

Woher kommen die Zahlen?

Wenn der Hersteller die Nährwerttabelle auf seinem Produkt gestaltet, kann er bei den Angaben schummeln und die Zahlen schönen? Die Stichwortsuche im Internet nach „offiziellen“ Nährwertangaben zeigt eine Skepsis gegenüber dem Wahrheitsgehalt bei den Verpackungsangaben.

In der Lebensmittelinformationsverordnung sind drei Möglichkeiten aufgeführt, wie ein Hersteller seine Nährwertangaben ermitteln kann:

  • Eigene Lebensmittelanalyse im Labor
  • eine Berechnung der bekannten oder tatsächlichen durchschnittlichen Werte der verwendeten Zutaten
  • eine Berechnung mithilfe allgemein nachgewiesener und akzeptierter Werte in Datenbanken

Bei den Werten in der Nährwerttabelle handelt es sich immer um Durchschnittswerte. Gewisse Abweichungen sind normal und werden gesetzlich zugestanden, da durch Erntezeitpunkt, Anbaugebiet, Lagerung und Klima die Nährwerte in den Rohstoffen schwanken können.

Grundsätzlich ist der Hersteller für die Richtigkeit der Angaben verantwortlich. Zusätzlich werden von der örtlich zuständigen Lebensmittelüberwachung nach dem jährlichen bundesweiten Überwachungsplan (BÜP) Überprüfungen durchgeführt. Sie kontrolliert auch, wenn ein Verdacht oder Verbraucherbeschwerden vorliegen. Weicht ihre Analyse zu stark von den gekennzeichneten Nährwerten ab, kann sie die Deklaration der Ware beanstanden.

Der Umgang mit der Nährwerttabelle

„Ich finde es gut, dass die Werte angegeben sind, manchmal interessiert es mich auch, aber ich schaue selten drauf.“, sagte jemand bei einer Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 2019. Eine Beobachtung bei der Umfrage war, dass „spontan kaum eine Unterscheidung nach Nährwerten und Inhalts- bzw. Zusatzstoffen [erfolgt]: Geschmacksverstärker, Aromen, Konservierungsstoffe, Zutaten, Gelatine, Fett, Kalorien und Zucker werden häufig in einem Atemzug genannt.“

Der am meisten geprüfte Nährwert ist Zucker. 82% der Befragten gaben an, dass für sie diese Angabe relevant ist. Auch Fett (64%) und Kohlenhydrate (61%) wurden von vielen genannt. Eiweiß, Salz und gesättigte Fettsäuren waren weniger interessant. Grundsätzlich werden die Angaben der Nährwerttabelle begrüßt und als „guter Schritt in Richtung Transparenz und Verbraucherinformation empfunden“.

Sicherheit gibt sie beim Einkaufen nur wenigen. Das liegt insbesondere daran, dass sie nicht selbsterklärend ist. Auf welche Inhaltsstoffe geachtet werden sollte und ob die angegebenen Zahlen positiv oder negativ zu bewerten sind, bleibt offen. Die Portionsangaben sind oft unrealistisch oder fehlen, sodass ein Umrechnen auf tatsächliche Mengen erforderlich ist.

Was viel und was wenig ist

Im Fazit des Marktchecks schreibt die Verbraucherzentrale, dass „die derzeitige Nährwertkennzeichnung nicht immer geeignet ist, um Verbraucherinnen und Verbrauchern eine fundierte, schnelle Wahlmöglichkeit zu bieten. Sie können noch immer nicht auf einen Blick erkennen, welche Lebensmittel für ihre Lebensweise geeignet sind. Hier gibt es Nachbesserungsbedarf bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen.“

Für viele bleibt die Frage offen, ob die Zahlen in der Nährwerttabelle hoch oder niedrig sind. Generell gilt für Energie, Fett, Zucker und Salz: Je niedriger desto besser. Die britische Lebensmittelbehörde Food Standard Agency (FSA) hat 2006 eine Nährwert-Ampel als Orientierungshilfe vorgeschlagen. Die Farben rot, grün und gelb zeigen an, ob der Gehalt von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz gering, mittel oder hoch zu bewerten ist. Damit wäre die Frage beantwortet, was hoch und was niedrig ist, es stellt die Verbraucher aber vor eine neue Herausforderung: Wenn ich bei einem Lebensmittel zweimal „gelb“, einmal „grün“ und einmal „rot“ habe, ist das besser als ein Lebensmittel mit zweimal „grün“ und zweimal „rot“? Die Nährwert-Ampel hat sich bisher nicht durchgesetzt.

Eine mit einem Blick erkennbare Antwort liefert eine leicht verständliche Nährwertkennzeichnung wie der Nutri-Score. Seit November 2020 darf er freiwillig auf die Vorderseite der Verpackung aufgedruckt werden. Beim Nutri-Score werden Energiegehalt und Nährstoffe miteinander verrechnet und die Bewertung in einem Buchstaben von A bis E dargestellt. Bei einem Produkt mit dunkelgrünem A handelt es sich um ein ernährungsphysiologisch empfehlenswertes Lebensmittel, mit einem roten E ein weniger empfehlenswertes.

Der Nutri-Score ist bewusst eine Ergänzung zur Nährwerttabelle. Manche Verbraucher möchten ihre Kaufentscheidung aus verschiedenen Gründen an einzelnen Nährwerten festmachen, deswegen wird die Nährwerttabelle ihren Platz als Orientierungshilfe und Teil der Transparenz behalten und weiterhin möglichst umfassend und ehrlich informieren.

 

 

 

 

Quellen:

https://www.lebensmittelverband.de/de/lebensmittel/kennzeichnung/naehrwert

https://www.welt.de/wissenschaft/article4540400/Naehrwertangaben-fuehren-Verbraucher-in-die-Irre.html

https://blsdb.de/assets/uploads/BLS_Variablen_3.02.pdf

Seidl, Gabriele (2014). Was ändert sich mit der Lebensmittelinformationsverordnung für die Ernährungsberatung? Ernährungs Umschau 4/2014 S. M220-M221

https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/naehrwertkennzeichnung-wichtige-information-fehlt-auf-vielen-lebensmitteln

https://www.bzfe.de/lebensmittel/einkauf-und-kennzeichnung/kennzeichnung/naehrwertkennzeichnung/

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/Lebensmittel-Kennzeichnung/Ergebnisbericht_Fokusgruppenbefragung_TeilB_eNWK.pdf?__blob=publicationFile&v=3

https://www.vzhh.de/sites/default/files/medien/136/dokumente/2018-02-27_vzhh_Verbraucherzentrale_Untersuchungsbericht_Portionsgroessen-auf-Lebensmittelverpackungen.pdf

https://ec.europa.eu/transparency/regdoc/rep/1/2017/DE/COM-2017-58-F1-DE-MAIN-PART-1.PDF

https://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/lebensmittelkennzeichnung-naehrwertkennzeichnung-pflicht

https://www.ble-medienservice.de/frontend/esddownload/index/id/254/on/1140_DL/act/dl

https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/nahrungsergaenzungsmittel

https://www.lebensmittelklarheit.de/forum/ermittlung-der-naehrwerte

https://referenceintakes.eu/files/downloads/guidance_BLL_for%20website.pdf  

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02011R1169-20140219

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52018XC0608

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/was_ist_die_ampel.pdf